worin ich mich wiedererkenne:

Niemand müsse, der Welt erkennen wolle, sein Dorf verlassen, schrieb Lao-tse. Es kann sein, daß dieser Satz nicht stimmt, aber auch, daß er wahr ist. Dann verläßt sein Dorf, wer sich selbst sucht. […] Wer das adäquat beschreiben möchte, kann nicht länger Konstante seines eigenen Kultursystems sein, sondern wird herausfallen müssen, nicht nur aus diesem, sondern darf und kann auch nicht ins je andere hinein. Distanzierung sucht sich nicht mehr, sie geschieht dem Dichter, wenn er das ist, von selbst, und seinem Stil obliegt etwas Neues: Er macht sich vertraut, ohne doch erobern zu können, also sich dem Fremden aufzudrängen. […]

Alban Nikolai HERBST: Flanierend Reisen: Das andere Selbst. Kleine Poetik des Reisens (Links: http://www.die-dschungel.de/ANH/txt/pdf/flanierend_reisen.pdf)

Dorthin kam ich blätternd (dies für ANH), weil ich die Einführung zu „Guantanamo“ lesen wollte, aber da erscheint leider nichts!)

P.S. und überhaupt halte ich Alban Nikolai HERBSTs theoretische Schriften und literaturhistorische Streifzüge für sehr bedeutsam, denen vielleicht nur noch Arno SCHMIDTs gleichartige arbeiten gleichkommen! das meine ich wirklich so!

Dieser Beitrag wurde unter Unkategorisiert veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu

  1. hab sagt:

    der (reisende) dichter überhaupt als moderner anthropologe, und das teilnehmende beobachten nimmt – wie gesagt – einen teil, muss darum auch einen teil (nicht alles, denn es bedient sich ja einer sprache) geben.
    kulturelle binnenanthropologie (die – physisch – nicht das dorf verlassenden, die herausgefallenen im „eigenen land“, die einsiedler, die wölflis) schafft damit oft per se neues. effekt eines nichtgeographischen reisens.
    ich meine nur: um zu flanieren/reisen (verdichtung des fremden) brauche ich kein auto/keine bahn. aber jetzt les ich erst mal das pdf …

    (ad: Wer das adäquat beschreiben möchte, kann nicht länger Konstante seines eigenen Kultursystems sein …)

    edit nach lektüre: anh schliesst natürlich nicht ein anderes reisen (das CyberReisen) aus, um eine andere kategorie des „fremden“ und seiner attraktion zu zeigen. eine notwendige physische (poetische) reise (RealReise) in das fremde, das meinte ich oben, muss aber nicht zwangläufig in eine „andere“ kultur führen. dem fremden (strange), und dessen auslösungen, mechanismen (in mir), ist auch auf dem bahnhof meiner stadt zu begegnen, und dessen beschreibung, was daraus entstehen kann, hängt ganz von dem wieauchimmer heraustretenkönnen des/der schreibenden ab. vielleicht stimmt also eingangs zitierter satz.

    • parallalie sagt:

      eine reise als ein verlassen der scheinbar vertrauten zusammenhänge – ja, zwischen den konventionellen zeichen und ihrer sich daraus ergebenden syntax im angelernten wahrnehmungsmodell. insofern kein verlassen seiner selbst (was schlecht ginge), sondern ein neues modell zur wahrnehmung anderer zeichenstrukturen, in denen das selbst sich anders wiedererkennt, außerhalb des scheinbar vertrauten. „erobert“ werden wohl neue aussichtsspunkte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.